Horn, 11. Februar 1958

«Du kannst Dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf den kommenden Samstag freue, in Deiner Nähe ohne Aufsicht verbringen zu können. Du bist der Mittelpunkt meiner Welt geworden. Mein erster Gedanke beim Erwachen des Morgens eilt zu Dir und meine letzten Gedanken vor dem Einschlafen sind wieder bei Dir.»

Horn, 16. Mrz 1958

«Gestern hatte ich einen wundervollen Traum. Ich habe einen Totozwölfer gemacht. Mit diesem Geld liess ich mir ein schönes Häuschen bauen mit einem schönen Garten. Dann ging ich mit viel Mut zu Deinen Eltern und sprach folgendes: Es wird Ihnen sicher kein Geheimnis mehr sein, dass Ihre Tochter und ich uns von ganzem Herzen lieb haben. Ich habe keinen sehnlicheren Wunsch, als Stefanie für immer an mich zu binden und deshalb bitte ich Sie und Ihre Frau Gemahlin, mir Ihre Tochter zur Frau zu geben. Ich verspreche aus ehrlichem Herzen, dass ich alles tun werde, um sie glücklich zu machen. Das alles hatte mir das Traummännlein eingeflüstert.»

Kitzbühel, 29. Mrz 1958

«Übrigens ich werde Dich ‹Baby› nennen. Ich bin schon ganz verrückt auf den Urlaub. Wo fahren wir nun eigentlich hin. Ich kann es kaum erwarten, bis ich Dich das erste Mal in die Arme schliessen und Deinen zuckenden Körper spüren kann. Ich werde Dich dann das erste Mal küssen können, ach, wie herrlich wird dies sein. Deinen leidenschaftlichen Mund in meinen Augen zu spiegeln und Deinen bebenden warmen Leib in voller Sehnsucht zu umschlingen, es wird um mich die Welt versinken und nur Du wirst noch für mich existieren. Ich werde Dich lieben in alle Ewigkeit. Ich träume fast jede Nacht von Dir, von Deinen heissen Küssen und zärtlichen Worten, Baby. Kennst Du das Lied von Peter Kraus ‹Oh Baby mach Dich schön›, das wird unser Lieblingslied.»

Horn, 30. Mrz 1958

«Ich fühle mich jetzt wie auf einer Insel der Einsamkeit, darum fällt mir nichts mehr zum Schreiben ein. Nun drücke ich Dich in Gedanken mit meinen Armen an mein Herz, das nur für Dich schlägt. Dein treuer Josef»

Kitzbühel, 01. April 1958

«Vergiss bitte nie, dass ich Dich liebe. Nun schliesse ich und grüsse Dich tausendmal und
küsse Dich in Ewigkeit 30'000 Millionen Mal. Ruppert»

Horn, 28. Mai 1958

«Ob Du mich überhaupt richtig liebst, das hatte ich bis jetzt noch nicht erfahren. Du könntest es mir nicht oft genug sagen. Schreibe mir bitte zurück, aber nicht mehr im Büro, sondern im Bett, wie Du es mir gesagt hast, aber das Wort Liebe könnte schon enthalten sein.»

Horn, 25. August 1958

«Über Deinen herzlichen Brief habe ich mich sehr gefreut, aber über Dein Nichtkommen am Freitag oder Samstag war ich nicht erfreut.»

Krems, 29. November 2005

«Mein Vater stellte mich damals vor die Wahl, wenn ich mit Josef weiterhin mich treffe, darf ich nach Hause nicht mehr kommen – ich war folgsam, doch es war eine schreckliche Zeit hinterher, ich habe es nicht verwunden, würde es heute nicht mehr machen, heute wäre ich durchgebrannt mit Josef.»

Gelesen von:

Philipp Reinisch, Riccardo Hofer und Susanne Gelles

Gesamtdauer:

11′13′′